Die Round-Table Veranstaltung „Gleichstellung auf den Tisch“ klingt nach.
Im Dialog-Format an der Universität Kassel kamen Mitarbeitende, Forschende und Gäste zusammen – um über Stand und Perspektiven von Gleichstellung an der Hochschule zu sprechen. Im Fokus die Frage: Wie steht es um Gleichstellung – und wie geht es weiter, wenn gesellschaftlicher Gegenwind stärker wird?
Besonders spannend war dabei die Schnittstelle zweier Welten: institutionelle Gleichstellungsarbeit auf der einen Seite – geprägt von Strukturen, Zuständigkeiten und formalen Rahmenbedingungen – und Geschlechterforschung auf der anderen Seite, die mit empirischem Blick und dekonstruktiven Ansätzen Geschlechterkategorien hinterfragt und neu denkt.
Unterschiedliche Logiken, unterschiedliche Rahmenbedingungen und Funktionen, verschiedene Sprachen – aber genau darin das Potenzial: Wenn sie sich ernsthaft begegnen, können tragfähige Kooperationen entstehen. Gerade in Zeiten multipler Krisen ist das notwendig. Denn Gleichstellung steht wieder zunehmend unter Druck – politisch wie gesellschaftlich. In Hessen etwa wurde geschlechterinklusive Sprache in bestimmten Bereichen eingeschränkt. Ein Signal, das deutlich macht: Fortschritt ist umkämpft.
Umso klarer war auch die Einschätzung der Podiumsteilnehmenden: Gleichstellung bleibt an Hochschulen Thema. Strukturelle Ungleichheiten bestehen weiterhin – etwa in Fragen der Stellenbesetzung und Bezahlung, in Anerkennung von Arbeit oder auch in Konfliktfeldern wie Ausgrenzung und Mobbing. Gleichzeitig wurde sichtbar: Es hat sich etwas bewegt. Die Sensibilisierung für Ungleichheit und für die Vereinbarkeit von Beruf, Pflege und Freizeit ist gewachsen – und doch gibt es weiterhin Lücken.
Was vom Abend besonders nachhallt, sind die Spoken-Word-Beiträge von Lavender Szymula. Weil sie scharf waren. Weil sie Komplexität gehalten haben, ohne sie aufzulösen und ohne dabei stehen zu bleiben. Weil sie bewegt und Impulse gesetzt haben – auf eine Weise, die bleibt. Lavender hat Dilemmata benannt, die viele in der Gleichstellungsarbeit kennen: alles gesagt, alles gefordert, alles dokumentiert – und trotzdem bleibt das System. Das erschöpfende Schreiben, die viele Gremienarbeit, das geduldige Erklären, das pausenlose Benennen. Und dann kein einfacher Ausweg, sondern eine ehrliche Zumutung zur Übernahme von Verantwortung: Handeln ist die Lösung.
„Du hast einen Rücken und zwei Fäuste, die können mehr als sitzen und schreiben. Wenn ich hier spreche, kannst du aufstehen. Und wenn du aufstehst, mach ich weiter.“
Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, was Gleichstellungsarbeit auch braucht: Neben Analyse und Struktur, Formate, die berühren, andere Zugänge schaffen, bewegen, Mut machen.
Der Beitrag (hier klicken) lohnt sich – auch heute, und gerade jetzt.
Gleichstellung bleibt auf dem Tisch. Das war die Botschaft damals. Das ist die Botschaft heute.
Zum Programm:
Konzeptionelle Beratung: compassorange.
Moderation Katrin Unger von compassorange
Eröffnung des Abends: Vizepräsidentin Prof. Dr. Sonja Buckel
Nach der Eröffnung: Lavender Szymula, Spoken Word Künstler*in: Wir hatten doch alles getan. / Zwei Fäuste, ein Rücken.
Im Dialog: Gleichstellungsbeauftragte Dr. Sylke Ernst und Prof. Dr. Mechthild Bereswill, Professorin für Soziologie sozialer Differenzierung und Soziokultur am Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel
Round Table: Dr. Magdalena Fellner (Postdoc am INCHER Kassel, Forschung zu sozialer Ungleichheit und Durchlässigkeit an Hochschulen), Prof. Dr. Michael Mecklenburg (Fachgebiet Ältere deutsche Literaturwissenschaft, Mitglied der zentralen Gleichstellungskommission), Prof. Dr. Mark Schrödter (Fachgebiet Sozialpädagogik des Kindes- und Jugendalters, Dekan des Fachbereichs Humanwissenschaften) und Prof. Dr. Mechthild Bereswill.
Und am Ende: Lavender Szymula, Flexen – Warum ich keine Blumen will
Bericht findet sich hier.






