Am 29. Juni 2011 moderierte Dr. Claudia Neusüß ein Treffen von Genderkoordinatorinnen aus verschiedenen Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung mit Frauen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland. Unter dem Oberthema „Engendering Leadership“ diskutierten die Koordinatorinnen aus Afrika (Äthiopien, Kenia, Nigeria, Südafrika, Sudan), Asien (China), dem Nahen Osten (Palästina), und Osteuropa (Georgien) gemeinsam mit Vertreterinnen von Bündnis 90/Die Grünen.

 

In der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen ging es zunächst darum, aktuelle Problemlagen in den jeweiligen Ländern und Regionen sowie Strategien und gute Rahmenbedingungen für mehr Einfluss von Frauen in Politik und Gesellschaft zu erörtern. Großes Interesse bestand an der Frage der Quote als ein Instrument für Veränderung. Eine wichtige Erkenntnis der Diskussion war, dass Quoten nur ein Aspekt sein können: So gäbe es v.a. in den afrikanischen Staaten viele ‘ceremonial women‘, die zwar in den Parlamenten anwesend sind, aber ohne entsprechenden Einfluss bleiben. Deshalb sollten neben Quoten auch Strategien zum Empowerment von Frauen verfolgt werden und die Schaffung von Bewusstsein für „Frauenthemen“. Es gehe also darum, Frauen in die Politik zu bringen und Problemlagen von Frauen zum Thema und damit bearbeitbar zu machen. Wichtig sei zudem, männliche Schlüsselakteure ausfindig zu machen und einzubeziehen.


Der internationale Austausch wurde als sehr fruchtbar erlebt, da trotz unterschiedlicher Ausgangslagen in den verschiedenen Ländern durchaus an ähnlichen Themen gearbeitet wird – bspw. eine landesweite, kostenfreie Hotline für Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland und Äthiopien. Gleichzeitig dürfen regionale Besonderheiten aber nicht aus dem Blick geraten. So werde teilweise versucht, Gender Mainstreaming Methoden wie sie in Europa eingesetzt werden, zu kopieren und dabei riskiert, die spezifischen Gegebenheiten vor Ort zu verfehlen. Bislang mangele es jedoch noch an der Entwicklung eigener umfassender Ansätze zur Stärkung von Frauen in den Regionen.


Fuehrung_durch_die_Hoefe_der_WeiberWirtschaft

 

Neben politischem Empowerment von Frauen ging es aber auch um Gestaltungsraum, Einfluss,  und Präsenz von Frauen in der Wirtschaft. Auf großes Interesse stieß der anschließende Besuch der WeiberWirtschaft – einer Frauengenossenschaft, die ein Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum in Berlin Mitte  betreibt. Als Gründungsmitglied, ehemaliges Vorstandsmitglied sowie langjährige Aufsichtsrätin führte Claudia Neusüß durch den Gebäudekomplex und berichtete von dem Anfängen, den Stolpersteinen sowie den Erfolgen der Genossenschaft.

 

Katrin Unger, Berlin, den 17.07.2011